Die Kapelle von Reckenthal

            

               Festschrift

              zum 25 - jährigen Jubiläum

       der Einweihung der Herz - Jesu - Kapelle

Am 10. Juli 1985 feiern die Bewohner von Reckenthal das 25 - jährige

Jubiläum der Einweihung ihrer Herz-Jesu-Kirche. Das gibt Anlaß, auf

das kirchliche Leben des alten Gelbachdorfes und seiner Menschen

zurückzublicken. Nur wenige Quellen können darüber Auskunft geben.

                                                                                                               

          Die Erste Kirche war eine Fachwerkkapelle

Wie aus alten Urkunden um 930 zu entnehmen ist, gehörte das Dorf und Gebiet von Reckenthal zum Zehntbezirk des Dorfes Humbach und damit seit so früher Zeit zur Kirche und Pfarrei Montabaur. Der heutige Dorfname (im Volksmund "Reckedol") wird 1383 zum ersten Mal erwähnt. Er geht nach Vermutungen auf das Hofgut eines gewissen "Recco" oder "Reccho" zurück. Die Lagebezeichnung "Alter Hof" neben dem Wohnhaus Kleppel hat mit dieser ersten Ansiedlung nichts zu tun. Da früher dort die erste Schule des Dorfes stand, soll der Platz daneben im Gegensatz zum späteren neuen Schulhof gewesen sein. Die Ansiedlung Reckenthal war nie bedeutend. Noch im Jahre 1563 zählte man 8 Feuerstätten, und 1684 waren es auch nicht mehr. In diese Zeit oder etwas später fällt der Bau der ersten Kapelle, die in Fachwerk errichtet wurde und nur wenig Menschen Platz bot (drei Bänke für je fünf bis acht Personen). Sie stand in der Dorfmitte, angebaut an das Gemeindebackhaus, vermutlich gemeinsam mit ihm entstanden. Über einem einfachen Steinaltar stand in einer Wandnische eine Muttergottesstatue, an der linken Seitenwand zwischen zwei Fenstern eine Heiligenfigur, nähere Erinnerungen fehlen, und an der rechten Kapellenwand soll ein Kreuz gehangen haben, das bei Beerdigungen der Prozession vorangetragen wurde.

Einen einzigen schriftlichen Hinweis auf die Kapelle findet sich in der Schulchronik der Volksschule Reckenthal. Dort ist zu lesen: "Im Juni 1922 bekam die Gemeinde ein neues Glöcklein. Die alte Glocke stammte aus dem Jahre 1756 und mußte 1918 für Kriegszwecke abgeliefert werden." (eine Eintragung des Lehrers Severin Eufinger) - Damit ist belegt, daß die kleine Fachwerkkapelle spätestens in der Mitte des 18. Jahrhunderts vorhanden gewesen sein muß. Sie diente den Dorfbewohnern zum persönlichen Gebet. Hier trafen sich die Menschen in den Marienmonaten Mai und Oktober und auch sonntags zum Rosenkranzgebet und Totengedenken. Andere Gottesdienste wurden in ihr nicht gehalten. Das Glöcklein im Dachreiter begleitete den Leichenzug auf dem Weg zum Friedhof. 1942 wurde die Glocke zum zweiten Mal heruntergeholt. Ein Ortsfremder soll den Auftrag ausgeführt haben. Der Bauer Peter Trumm 2 ("Käthreiners Peter") hat sie mit einem Handwagen nach Montabaur zur Sammelstelle gefahren und abgegeben. Wiederum forderte der Krieg sienen Tribut.

 

1898 wurde die Wallfahrtskirche in Wirzenborn neu ausgemalt. Der Hochaltar erhielt einen neuen, größeren Tabernakel. "die Madonna wurde beseitigt und nach Reckenthal gegeben" (Aufzeichnung im Protokollbuch des Kirchenvorstandes von Wirzenborn). Dort ist sie aber nur 50 Jahre geblieben. Als 1952 die nächste größere Renovierung der Kirche in Wirzenborn abgeschlossen war, wurde sie nach dort auf den Hochaltar zurückgebracht. Dafür gab es einen bedauerlichen Grund. Die Reckenthaler Kapelle war baufällig geworden.Feuchtigkeit und Fäulnis im Mauer- und Balkenwerk machten eine Sanierung unmöglich. Wegen ihrer Seltenheit stand die kleine Fachwerkkapelle unter Denkmalschutz. Aber die Geldmittel für eine Instandsetzung fehlten, auch die Denkmalbehörde stellte keine zur Verfügung. Die Gemeinde erhielt die Erlaubnis zum Abbruch. Das war am 9. April 1959.

            Die Bedeutung der Kirche zu Wirzenborn

Für das kirchliche, religiöse Leben der Reckenthaler von ausschlaggebender Bedeutung war nicht die eigene Kapelle, sondern die Kirche in Wirzenborn. An keiner Stelle der bis 1817 zurückreichenden Schulchronik des Dorfes ist von der  Kapelle die Rede, dagegen häufiger von der Kirche in Wirzenborn. Sie war schon von alters her für Reckenthal und die anderen zur Pfarrei Montabuar gehörenden Gelbachtalgemeinden die zuständige Gottesdienstkirche und wurde betreut von den Pfarrgeistlichen aus Montabaur, die auch zeitweise in Wirzenborn gewohnt haben sollen.

Die Chronik gibt 1840 Aufschluß über die Bedeutung der Kirche zu Wirzenborn für die Gläubigen in Reckenthal. Hier steht zu lesen: "Am 15. Oktober entschlief Herr Benefiziat Schlemmer aus Montabaur, welcher bisher den Gottendienst in der Kirche zu Wirzenborn für die drei Ortschafen Wirzenborn, Reckenthal und Bladernheim versehen hatte.... Derselbe hatte 38 Jahre lang den sonntäglichen Gottesdienst, die Frühmesse, Predigt oder Christenlehre nicht nur pünktlich versehen, sondern auch mit Eifer die ihm anvertraute Herde vor dem reißenden Wolfe des Verderbens durch Ermahnungen, besonders durch Verkündigung des Wortes Gottes zu bewahren gesucht..... Mit Wahrheit konnte er daher als der Stifter und Beförderer des christlichen Sinnes und Wandels gepriesen werden, der noch das Thal dieser drei Ortschaften belebe..." Aus der Schulchronik geht auch hervor, daß die Tätigkeit des Lehrers eng verbunden war mit dem Dienst an der Kirche zu Wirzenborn. 1811 war der Lehrer zugleich Glöckner zu Wirzenborn. 1819 ist zu lesen: "Der Lehrer wurde an der Elementarschule zu Reckenthal und zugleich zum Gesang-Rektor an der katholischen Kirche zu Wirzenborn angestellt." - Als solcher hatte er Lieder einzuüben und während des Gottesdienstes den Gesang zu leiten. Als 1846 die Kirche eine Orgel erhielt, wurde dem Lehrer auch das Orgelspielen übertragen. Auf seinen Antrag, daß man ihm eine "angemessene Vergütung zahlen müsse", erhielt er 18 Gulden und 30 Kreuzer bewilligt. Zu der geringen Bezahlung bemerkte ein Mitglied des Schul- und Kirchenvorstandes, "man müsse sparsam mit dem Kirchengeld umgehen, um später einmal einen Pfarrer eigens nach Wirzenborn zu bekommen." Verärgert schreibt der Lehrer Becker in die Chronik: "Also muß der gegenwärtige Lehrer die Besoldung des in Ewigkeit zu erwartenden Pfarrers mit stiften helfen. Das ist verkehrt!!!!"

Zum kirchlichen Leben gehörte vor allem der Kirchgang an Sonn- und Feiertagen, von dem sich so gut wie niemand ausschloß. Dem Verfasser dieser Schrift ist noch bekannt, und er war selbst oft dabei, wenn jeden Sonntagmorgen die Dorfbewohner sich zu Fuß auf den Weg machten den Schellweg hinauf und den Waldpfad am Mühlberg nach Wirzenborn hinunter zum Hochamt, bei jeder Witterung. Geblieben ist der Sonntagsgottesdienst, doch wird der Weg dorthin mit dem Auto zurückgelegt. Als Kirchweg wird in Reckenthal das Wegstück zwischen dem Wasserhochbehälter und Hotel Waldesruhe genannt. Ein altes Wegkreuz neben dem Hotel hat noch vor 20 Jahren den Kirchgänger oder Wanderer einen Moment verweilen lassen. In früherer Zeit gingen sonntags in aller Herrgottsfrühe die Frauen des Dorfes zur 6-Uhr-Frühmesse nach Montabaur, um wieder rechtzeitig zu Hause sein zu können, wenn ihre Männer und Kinder über den Berg zum Hochamt nach Wirzenborn sich auf den Weg machten.

Die enge kirchliche Bindung an Wirzenborn findet ihren Ausdruck auch in dem gemeinsamen Friedhof hinter der Kirche, wo bis auf den heutigen Tag die Reckenthaler ihre Toten begraben.

                             

                           Versuch eines Kapellenneubaues

Die erste Kapelle hatte schon lange nicht mehr den Erfordernissen des Dorfes entsprochen. Sie war viel zu klein. Doch an einen Neubau war überhaupt nicht zu denken. Dafür fehlten den Bürgern die Mittel. Die Menschen im Gelbachtal lebten immer in großer Einfachheit. Ihr Wohlergehen war abhängig vom Ertrag ihrer kleinen bäuerlichen Betriebe auf kargem, felsigem Boden. Die aufbrechende industrielle Entwicklung verbesserte ihren Lebensstandard nur unwesentlich. Erst um die Jahrhundertwende fanden die jungen Männer in den Erzbergwerken und Tonindustrieen Arbeitsmöglichkeiten. Sie mußten anstrengende und weite Wege, oft zu Fuß, auf sich nehmen und waren von früh morgens bis in die Nacht unterwegs. Weiterhin bildete die Landwirtschaft die notwendige Ernährungsgrundlage für die Familie.

1921 war es endlich soweit. DieKreisverwltung Montabaur erteilte der Gemeinde die Genehmigung zum Bau einer Kapelle. Das war am 17. Dezember 1921 unter Bügermeister Trumm. Sie sollte in Bruchsteinmauerwerk ausgeführt werden, 230 Menschen Platz bieten und nach einem Voranschlag 140.000 Reichsmark kosten. Im August 1922 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Im Oktober nahm Herr Stadtpfarrer Weyand aus Montabaur die feierliche Grundsteinlegung vor. Herr Lehrer Eufinger schreibt in die Chronik der Schule: "Hoffentlich gelingt das Werk!"

 

Im Winter ruhten die Bauarbeiten. Als das Frühjahr kam, hatte der Frost das schon bis zu den Fenstern und zum Teil höher errichtete Mauerwerk zu sehr in Mitleidenschaft gezogen, daß der Kirchbau so nicht weitergeführt werden konnte und aberissen werden mußte. Die Baukosten konnten nicht mehr eingehalten werden (1923 betrug der Stundenlohn eines Arbeiters 15.600 Mark). Inflation, Arbeitslosigkeit und neue Armut der Nachkriegszeit hatten das hoffnungsvolle Vorhaben jäh scheitern lassen.

 

Die Herz-Jesu-Kapelle

 

Am 10. Juni 1956 versammelten sich die Bürger von Reckenthal in der Schule. Aus jeder Familie war wenigstens ein Mitglied erschienen. Anlaß war das gemeinsame Anliegen: eine Kirche zu bauen. Bis zu diesem Tag war in vielen Gesprächen und bei einigen Zusammenkünften der Wunsch danach immer lauter geworden. Wenn bei Todesfällen die Dorfbewohner sich im Klassenraum der Schule zum Gebet versammelten, empfand jeder immer bedrückender, wie unwürdig der profane Raum war. Keine Glocke läutete, wenn der Leichenzug auf dem Weg zum Friedhof das Dorf verließ. Daher fand die Initiative des Lehrers, den Plan eines Kapellenneubaues herzhaft anzupacken und zu verwirklichen, die einmütige Zustimmung und Unterstützung der gesamten Bevölkerung.

 

Eine Probesammlung ergab 250,00 DM. Alle 25 Familien hatten sich beteiligt. Der Sammelbetrag von 10,00 DM je Familie und Monat war vorher vereinbart worden. Es folgte die Gründung des Kapellenbauvereins mit dem 1. Vorsitzenden Johann Gombert, dem Stellvertreter Bürgermeister Christian Trumm, dem Schriftführer Erich Trumm und dem Kassenführer Lehrer Wolfgang Ackva.

Aus der Westerwälder Zeitung am 11. Januar 1957: "Die alte Kapelle ist seit langem baufällig.... Obwohl die Reckenthaler eine hervorragende Gelegenheit haben, zur Kirche nach Wirzenborn zu gehen, möchten sie doch gerne eine eigene Kapelle im Dorf haben. Seit Juli 1956 wird daher Monat für Monat gesammelt, und die Gläubigen, die der Stolz nicht ruhen läßt, einmal wieder eine eigene hübsche Kapelle zu haben, geben, soviel sie können. Wenn die ersten 5.000 DM vorhanden sind, beginnt man mit dem Bauen. Man hofft in der Gemeinde, daß dies im Juli oder August 1957 so weit ist. Der Platz für die Kape3lle ist noch nicht bestimmt, aber es besteht die Wahrscheinlichkeit, daß sie am günstig gelegenen Ort vor der Schule errichtet werden kann".  - Der erwähnte Bauplatz, der Dreschplatz, wurde wegen seiner hervorragenden Lage gewählt, nachdem er vom Bauer Adam Meuer (Eigentümerin seine Ehefrau Katharina Meuer) großzügigerweise geschenkt worden war.

 

Im Februar 1958 beantragte der Kirchenvorstand der Pfarrgemeinde Montabaur die Genehmigung des Kapellenbaues. Bezüglich der Bauherrnschaft und Finanzierung ist darin ausgeführt: "Der Kirchenvorstand der Pfarrei Montabaur hat sich bereit erklärt, als Bauherr für die Kapelle aufzutreten, während die Zivilgemeinde für ein von der Kirchengemeinde aufzunehmendes Darlehen und für alle Mehrkosten über den Finanzierungsplan hinaus die Bürgschaft übernommen hat und für die Verzinsung und Amortisation des Darlehens aufkommt, so daß der Kirchengemeinde Montabaur keinerlei finanzielle Belastungen entstehen."

 

Mit der Planung der Kapelle wurde der Architekt Hans Busch aus Frankfurt - Sossenheim beauftragt. Seine Kirchen hatten ihn in der Diözese Limburg bekannt gemacht. Da er zu gleicher Zeit die Jugendbildungsstätte Kirchähr erweiterte, übernahm er bereitwillig, auch wegen der landschaftlich besonders reizvollen Lage, die Planung und Bauausführung der Kapelle Reckenthal.

 

Am Samstag, den 15. Mai 1959 erfolgte der erste Spatenstich. Nahezu alle Männer und Jugendliche waren zu den Ausschachtungsarbeiten erschienen. In Dorfgemeinschaftsarbeit, mit Schippe und Hacke, wurden die Fundamentgräben in zum Teil sehr harten Schieferboden gezogen. Einen Monat später wurden wiederum an einem Samstag zwischen 6 Uhr und 19 Uhr rund 60 Kubikmeter Beton schubkarrenweise in die Gräben verfüllt.

       

 

In einer Feierstunde am 15. August 1959 wurde in Anwesenheit der gesamten Dorfbevölkerung und vieler Gäste feierlich durch Herrn Stadtpfarrer Alois Breidling der Grundstein zur Kirche gelegt. Auf Vorschlag einer großen Mehrheit der Bevölkerung sollte sie dem allerheiligsten Herzen Jesu geweiht werden. Nach dem Verlesen der Urkunde wurde diese in eine Metallkapsel eingelötet und in würdiger Handlung in den Grundstein eingemauert.

 

"Wo Gott zum Haus nicht gibt sein Gunst,

da arbeit´  jeder Mensch umsunst."

 

Richtfest war am 6. November 1959. Vom 12 m hohen First, weit das Dorf überragend, rief ein Zimmergeselle den Richtspruch:

 

"Gott beschütze dieses Haus,

Segen gehe von ihm aus!

Jedem, der vorübergeht,

die Tür zur Einkehr offensteht!"

 

Im Klassenraum der Schule war eine reichhaltige Sammlung von Meßgewändern, Meßdienerröcken, Altartüchern u.a.m. ausgestellt (gearbeitet und gestiftet von Franziska Ackva, Montabaur).

10. Juli 1960: Tag der Einweihung! - "Für die hundert Einwohner Reckenthals und viele auswärtige Besucher war der 2. Julisonntag ein Freudenfest. Viele Gäste waren am Wochenende in das kleine, herrlich auf einer Berghöhe des Gelbachtales gelegene Dörfchen Reckenthal gekommen, um zusammen mit den Einheimischen ein besonderes Fest zu feiern: die Benediktion der katholischen Kapelle zum "Allerheiligsten Herzen Jusu" (aus einem Artikel der Westerwäler Zeitung; siehe Anhang).

 

Die Einweihung vollzog im Auftrag des Bischofs der Diözese Limburg, Dr. Wilhelm Kempf, Monsignore Dr. Gräf aus Montabaur unter Assistenz des Stadtpfarrers Alois Breidling. Musikalisch gestaltete die Feier der Kirchenchor St. Cäcilia aus Montabaur.

 

Für das kirchlich - religiöse Leben der Reckenthaler war dieser Festtag das bedeutendste Ereignis seit Bestehen des Dorfes. Das "Haus Gottes unter den Menschen", ein viele jahrzehntelang gehegter Wunsch war in Erfüllung gegangen. Ein Kirchlein war entstanden, das nicht nur wegen seiner erhabenen Lage auf den Höhen des Gelbachtales, angepaßt dem natürlichen Empfinden der Landschaft, sondern auch wegen seiner künstlerisch-dezenten Durchformung außen und innen im weiten Umkreis noch heute seinesgleichen sucht. Durch den Anbau von Sakristei und Totenraum wirkt die Kirche großzügig in ihrer Anlage. Das steile, aufstrebende Dach mit freihängender Glocke und die aufgelockerte Durchformung des Inneren lassen die Kapelle großzügig und weiträumig wirken. Fünf große, bis zum Boden reichende Fenster stellen das Gleichnis vom Sämann dar. Das erste zeigt die Hand, die den Weizen ausstreut. Aber es kommen die Vögel des Himmels und picken ihn auf. Im zweiten Bild sät die Hand des Satans das schwere Unkraut unter den gelben Weizen. Das dritte Fenster symbolisiert die Menschen, die den auf den Weg gefallenen Samen mit ihren Stiefeln zertreten. Im vierten Fenster sieht man die Körner unter den Dornen nur kümmerlich wachsen. Das fünfte Fenster schließlich deutet mit seiner Sichel auf die hundertfältige Ernte hin.  - Die gegenüberliegende Fensterreihe zeigt dem Betrachter viele Symbole aus der Lauretanischen Litanei. Der Entwurf für diese Fenster wie auch das Emaillekreuz des Altares stammen von dem Kunstmaler Jost aus Hattersheim. - Das Madonnenbild ist eine Keramikarbeit der Geschwister Degen aus Höhr-Grenzhausen. - Eine bautechnische und statische Besonderheit des Gebäudes ist der gegossene Betonring über dem Mauerwerk. Seine durch enges Eisengeflecht verstärkte Kraft gibt dem Ganzen Halt. An ihm ist das mächtige, hochragende Dach sicher verankert und kann nicht ausbrechen. - Dieser Ring will aber auch die Menschen, die in ihm zum Gebet zusammentreffen, fest umschließen zu einer Gemeinschaft mit Christus, dem zu Ehren sie diese Kirche erbaut haben.

 

 

Anlagen

 

                    - Abrechnung des Kapellenbaues mit dem Kirchenvorstand der Pfarrei                      Montabaur

 

                    - Dankschreiben des Bischöflichen Generalvikars anläßlich der                      Kapelleneinweihung

 

                    - Bericht in der Westerwälder Zeitung vom 13. Juli 1960 über die                      Einweihungsfeier

 

                    - Aufsatz im Rhein - Lahnfreund, Jahrg. 1961, über die Kapelle von                      Reckenthal

 

                    - "Das Glöckchen von Reckenthal" - aus einem Aufsatz in der Westerwälder                       Zeitung vom August 1960

 

 

 

 

Abrechnung des Kapellenneubaues in Reckenthal an den Kirchenvorstand in Montabaur:

 

1. Summe der Baukosten einschließlich der Innenausstattung            DM    72.000,00

                                                                                                     

2. Finanzierung:

    -Darlehen der kath. Kirchengemeinde Montabaur,

    zu tilgen durch die Zivilgemeinde Reckenthal                        DM    20.000,00

 

    -Darlehen des Kapellenbauvereins beim bischöflichen

    Ordinariat                                                           DM      1.000,00

 

    -Zuschuß des bischöflichen Ordinariats                            DM     14.000,00

 

    -Zuschuß des Landes Rheinland-Pfalz                            DM      8.000,00

 

    -Zuschuß des Vereins zur Pflege heimatlicher kath.

    Kirchen                                                              DM      1.500,00

 

    -Holzerlös aus einer Sonderfällung der Gemeinde

    Reckenthal                                                          DM      3.000,00

 

    -Geldspenden der Bewohner, Verwandten und Bekannten

    von Reckenthal                                                     DM      21.000,00

 

    -Sonstige Geldspenden                                             DM        4.000,00

 

 

 

Der Bischöfliche Generalvikar              Limburg an der Lahn  2. Juli 1960

                                                             Fernruf 24 08

 

 

Hochwürden

Herrn Stadtpfarrer Breidling

Montabaur

 

 

 

Hochwürdiger Herr Stadtpfarrer!

 

Am 10. Juli feiert die Gemeinde Reckenthal die Einweihung ihres neuen Gotteshauses. Leider ist es uns nicht möglich, einen Domherrn zur Vornahme der Weihe zu entsenden, da drei unserer Herren in Urlaub und die Zurückbleibenden für diesen Sonntag bereits festgelegt sind. Ich möchte daher nicht versäumen, wenigstens schriftlich Dank und Gruß des Hochwürdigsten Herrn Bischofs durch Sie der Gemeinde zu übermitteln.

Die Gemeinde hat sich ein schönes Gotteshaus erstellt, das nun der religiöse Mittelpunkt des Dorfes sein wird, eine sichtbare Repräsentation der Kirche, die mitten im Alltag die Herzen der Menschen zu Gott hinlenken möchte. Dafür hat die Gemeinde außerordentliche Opfer gebracht, wie sie nur dort möglich sind, wo die Menschen noch gottverbunden sind und ihnen der Gottesdienst ein inneres Anliegen ist. In keiner Großstadtgemeinde wäre eine solche Leistung möglich. Dafür möchte ich im Namen des Hochwürdigsten Herrn Bischofs allen Beteiligten, denen, die gespendet haben, und denen, die tatkräftige Hilfe beim Kirchbau geleistet haben, nicht zuletzt Ihnen selbst und dem Architekten, herzlichen Dank und freudige Anerkennung aussprechen. Möchte durch das neue Gotteshaus reicher Segen auf die Gemeinde herabströmen!

Der Hochwürdigste Herr Bischof spendet allen Gläubigen in Reckenthal von Herzen seinen Bischöflichen Segen.

 

                                Mit freundlichem Gruß!

                                                Ihr ergebener    

 

 

 

Unterwesterwald

Schön und erhaben hoch über dem Gelbachtal

Für die hundert Einwohner Reckenthals und viele auswärtige Besucher war der zweite Julisonntag ein Freudenfest

 

Reckenthal. Viele Gäste waren am Wochenende in das kleine, herrlich auf einer Berghöhe des Gelbachtales gelegene Dörfchen Reckenthal gekommen, um zusammen mit den knapp hundert Einheimischen ein besonderes Fest zu feiern: die Benediktion der katholischen Kapelle "Zum allerheiligsten Herzen Jesu".

 

Die Festlichkeiten begannen am Samstagabend mit einem Fackelzug zum Festzelt, wobei die Dorfgemeinschaft ihrem Lehrer und Kapellenbauinitiator, dem aus Montabaur stammenden Wolfgang Ackva, ein Ständchen brachte, damit ihm gleichzeitig dankend für die vielen Mühen, die er mit dem Bau auf sich geladen hatte, und die mit der Vollendung des Werkes glücklich überwunden waren. Den Dank der Einwohnerschaft sprach dabei der Bürger Paul Trumm in herzlich gehaltenen Worten aus.

Der Festsonntag begann mit der Benediktion der Kapelle und des Altars, im Auftrage des Bischofs von Limburg durch Monsignore Dr. Gräf aus Montabaur vollzogen, dem Stadtpfarrer Breidling (Montabaur) und Pfarrer Morschheuser (Ruppach) assistierten, während Lehrer Ackva die lateinischen Benediktionstexte ins Deutsche übertrug, um damit der Festgemeinde ein besseres Folgen der Weihehandlungen zu ermöglichen. Im anschließenden Festgottesdienst, den ebenfalls Msgr. Dr. Gräf hielt, und nachdem die kleine Glocke im Türmchen der Kapelle zum erstenmal geläutet hatte, sang der Kirchenchor "St. Cäcilia" aus Montabaur unter Leitung von Oberlehrer i. R. Josef Pehl die Messe in F-dur von Hassler, die den Gottesdienst würdig verschönte. Stadtpfarrer Breidling stellte in der Festpredigt Lehrer Ackva als den Mann vor, der als ehrenamtlicher Helfer im Dienste Gottes die meiste Arbeit beim Kapellenbau geleistet habe. Ein ebenfalls großes Lob zollte der Stadtpfarrer der Bevölkerung für deren tatkräftige Mitarbeit und den ungeheuren Opfersinn, den die Menschen in Reckenthal durch ihre großherzigen Spenden aufgebracht hatten. Stadtpfarrer Breidling gedachte aber auch in Trauer jenes Adam Meuer, der das Grundstück für die Kapelle gestiftet hatte. Er war zwei Tage vor dem großen Fest auf dem Friedhof zu Grabe getragen worden. Als ein silbernes Band wirkte sich der Herz-Jesu-Gedanke, der im übrigen in der neuen Monstranz sehr schön zum Ausdruck kommt, durch die Festpredigt.

Nach dem Festgottesdienst hatte die Gemeinde geladene Gäste zu Tisch gebeten. Lehrer Ackva widmete ihnen herzliche Willkommensgrüße mit Dankesworten an alle, die mitgeholfen hatten, das Kirchlein zur vollendeten Reife zu führen. Oberregierungsrat Schmidt übermittelte die Grüße der Landesregierung, der Bezirksregierung und des Landrats, wobei er die Kapelle als Zierde nicht nur für Reckenthal, sondern für das gesamte Gelbachtal bezeichnete. Bürgermeister Kraulich gratulierte im Auftrage der Stadtgemeinde Montabaur und des Vereins zur Pflege heimatlicher katholischer Kirchen, für den er außerdem eine ansehnliche Geldspende übergab. "Ein jeder", so sagte der Bürgermeister, "der das schmuckvolle Gotteshaus betritt, wird ergriffen sein von der Schönheit und Erhabenheit dieses Heiligtums".

Glückwünsche aus Wirzenborn überbrachte schließlich der Vorsitzende der Kapellengemeinde, Peter Opper. An dieser Zusammenkunft nahmen außer der Geistlichkeit und den genannten Sprechern auch die Landtagsabgeordnete Frau Aretz, der Erste Stadtbeigeordnete Josef Pehl, die Architekten (Busch aus Frankfurt und Knöllinger aus Hillscheid) und die am Bau beteiligten Handwerder teil.

Nachmittags führten die Schulkinder unter der Regie von Lehrer Ackva im Festzelt das Spiel "Aus vielen Steinen wird ein Haus" auf und sangen eine eingens für dieses Fest zusammengestellte Handwerker-Kantate. Für die Großen schloß der Festtag mit Tanz und froher Unterhaltung.

 

 

Rhein-Lahnfreund

 

BOTE VOM TAUNUS UND WESTERWALD

DAS HEIMAT-JAHRBUCH FÜR DAS NASSAUER LAND

JAHRGANG 1961 10. Ausgabe

 

Die KAPELLE  von Reckenthal

 

Wie ein silberglänzendes Band zieht sich von Montabaur kommend der Gelbach durch fruchtbare Wiesen, kurze Waldstücke, vorbei an alten Linden, Ulmen, Erlen, silbergrauen Pappeln und schlanken Tannen. In den Seitentälern liegen schmucke Dörfer an die Hänge geschmiegt. Kein hastiger Autofahrer kann das empfinden, was den beschaulichen Wanderer packt, wenn der dunkle Wald unterhalb der Dorotheenbrücke zurücktritt und der Blick zu dem an die Hänge gelegenen Reckenthal hinschweifen kann. Ebenso entzückt muß er sein, wenn er Reckenthal vom Hotel Waldesruhe aus über die Höhe erreicht. Wie schutzsuchend hat sich das Dorf in die Mulde am Berg geduckt. Erst seit kurzer Zeit ragt die neue Kapelle weit über die Dächer. Ihre Glocke schallt tief ins Tal und manch einer, der schon oft seine Schritte dort unten oder über die Höhen gelenkt hat, wird sich freuen, daß an dieser hervorragenden Stelle ein Kirchlein erstellt wurde, wo er Gott in seiner Natur loben und preisen kann. Die kaum 100 Bewohner des Dorfes haben unter großen Opfern und Schwierigkeiten, aber mit eiserner Energie ein sehenswertes Kleinod geschaffen.

 

Vor kurzem wurde das Kirchlein eingeweiht. Das niedrige, aber starke Mauerwerk leuchtet schneeweiß. Es bildet in einer sanften Rundung den Chor der Kirche. Talwärts sind auffallend große Fenster ins Mauerwerk eingefügt. Über das Ganze erhebt sich ein steil aufstrebendes Dach, zwölf Meter hoch. Grauer Schiefer bedeckt es mit einem Schuppenpanzer und wehrt dem Wetter. Außergewöhnlich und eigenwillig wurde diesem gewaltigen Dach ein Dachreiter aufgesetzt, ganz mit Kupfer beschlagen. Daraus schwingt klar und weihin sichtbar eine kleine Glocke. Mit der abschließenden Kreuzspitze hat die Kapelle eine Höhe von zwanzig Metern. Durch den Anbau einer Sakristei und eines Totenraumes wirkt sie großzügig in ihrer Anlage. Die äußeren Merkmale kehren auch im Innern wieder: das hohe Dach mit seinen sichtbaren Sparren, das Fehlen jeglicher Querverstrebungen und die weißgekalkte Wand mit seiner stillen Rundung hinter dem Altar. Die fünf großen bis zum Boden reichenden Fenster stellen das Gleichnis vom Sämann in einzelnen Bildern dar. Das erste Fenster zeigt die Hand Gottes, die den Samen sät. Aber es kommen die Vögel des Himmels und picken ihn auf. Im zweiten Bild sät die schwarze Hand des Satans den verderbenbringenden Samen unter den Weizen. Das dritte Fenster symbolisiert die Menschen, die den auf den Weg gefallenen Samen mit ihren Schuhen zertreten. Im vierten Fenster sieht man den Weizen unter den Dornen nur kümmerlich wachsen. Schließlich deutet im fünften Fenster die Sichel auf die hundertfältige Ernte hin. - Dieses Gleichnis ist treffend gewählt für ein Bauerndorf, wie es Reckenthal ist. Die Fenster sind ein stilles Gebet um eine gute Ernte für jetzt und immer. - Bild und Text: Wolfgang Ackva

 

 

Im Tal klingt eine Glocke mehr...

 

Die Stimme Gottes und die Stimme der Kirche

 

Im Gelbachtal klingt eine Glocke mehr - freilich ein Glöckchen nur - vom steilen Dach der Kapelle zu Reckenthal, und wie ihre helle Stimme weitaus in das stille Tal sich schwingt, wandern die Gedanken in die Ferne, bis sie gleichsam mit dem Echo wiederzurückkehren zum "Ich", zur eigenen Persönlichkeit. Wie ist doch diesem toten Metall eine lebendige Seele beschlossen, die mit den Betrübten klagt und mit den Fröhlichen jauchzt. Ein Rätsel, das mit der ganzen Kraft seiner Aussage für viele immer ein Geheimnis bleiben wird, obwohl es der treueste Gefährte für die meisten auf einer langen Lebensreise ist.